Die vier jungen Männer

Fröhlich lachend, balgen sich vier junge Männer auf dem Bahnsteig eines Provinzbahnhofs. Es ist Samstagabend, eine Dame steht neben ihnen, die auch auf die Regionalbahn wartet. Sie knuffen sich freundschaftlich, geben sich Kopfnüsse, versuchen, sich gegenseitig an ihren kurzen und sauber gestutzten Bärten zu zupfen. Dabei sind sie peinlich darauf bedacht, die gepflegten Frisuren nicht durcheinanderzubringen. Ihre sich Arabisch  anhörende Sprache klingt angenehm. Sie ziehen sich Süßigkeiten aus dem Bahnsteigautomaten. Die Dame neben ihnen beobachtet sie schmunzelnd und geht dabei ein wenig auf und ab. Auf der Höhe des Automaten angekommen, fragt sie einer der jungen Männer, ob sie wohl auch an den Automaten wolle und zieht dabei seine Freunde etwas unsanft zur Seite. Sie verneint lachend und antwortet, dass es dort drinnen ja viele Leckereien gäbe. Der Junge, der sie angesprochen hat meint daraufhin: „Ja, aber teeeuer!“ Sie reißen die Tüten mit Bedacht auf und bieten der Dame höflich und auf den Boden schauend, von ihrem Reiseproviant an. Sie nimmt sich mit Freude über so viel Freundlichkeit ein Bonbon.

Die Regionalbahn kommt und ist völlig überfüllt mit Fußballfans auf dem Nachhauseweg. Da der Bahnhof die Endstation ist, bevor die Bahn wieder zurück in die Großstadt fährt, steigen alle aus. Sie hinterlassen die Waggons in einem traurigen Zustand. Der Boden ist übersät mit Flaschen und ausgegossenem Inhalt. Es stinkt nach Alkohol. Bierflaschen, Schnapsfläschchen, Flaschen für Softdrinks, Dosen und Einwegflaschen liegen wild durcheinander und zum Teil zertreten. Die Dame, die vier jungen Männer und auch andere Passagiere steigen ein. Die vier sind erstaunt über die Disziplinlosigkeit der deutschen Fußballfans.  Die Dame sagt nach einem kurzen Überblicken der Flaschenmenge: „Hier liegt ja viel Geld herum! Wollt Ihr die Flaschen nicht zusammensammeln und sie wegbringen? Da könnt ihr bestimmt zehn Euro verdienen. “ Sie schauen sie schüchtern an und fragen: „Darf man das?“ Sie antwortet: „Ja, natürlich dürft Ihr das!“ und die vier gehen fröhlich lachend auf die Jagd. Andere junge Passagiere betrachten sie mitleidig und meinen abfällig:“ Ich habe genug Geld Zuhause, das brauche ich nicht aufheben.“ und setzen sich. Nachdem die vier eine große Tüte, die sie im Zug gefunden haben, bis zum Rand gefüllt haben, liegen immer noch Flaschen herum. Eine noch unversehrte Dose Bier schenken sie der Dame mit der Bemerkung, dass sie das ja nicht trinken würden. Sie kramt zwei Einkaufsbeutel aus ihrer Handtasche, die sie den fleißigen Sammlern schenkt.

An der nächsten Station steigen sie mit prall gefüllten Einkaufsbeuteln wieder aus, winken ihr noch freundlich zu und verschwinden in die Nacht.

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