Die Tür zum Wohnzimmer wird geöffnet. Der Baum leuchtet feierlich mit seinen roten Kugeln und Kerzen. Die kleinen Lichter spiegeln sich im Lametta und geben dem Baum seinen wunderschönen Glanz. Unter dem Baum viele Geschenke, die sie alle zusammen schon vor einigen Tagen dort hingelegt haben. Sie rätseln gerne ein paar Tage, was sich wohl in den schönen Päckchen verbergen könnte. Das hebt die Spannung und die Vorfreude auf ihr Weihnachtsfest. Im ganzen Haus duftet es nach Braten und Köstlichkeiten. Der Tisch ist festlich gedeckt, gedämpfte Weihnachtsmusik erklingt. Sie haben sich alle hübsch angezogen und freuen sich nun auf das Fest, die beiden Mädchen, die Mama, ihr Lebensgefährte und die Oma. Sie sind fröhlich, das Essen schmeckt. Dann werden nach und nach die Geschenke verteilt. Es gibt immer einen, der seine Geschenke gibt, dann darf ausgepackt werden. Anschließend ist der nächste dran mit seinen Gaben. Sie freuen sich, spielen zusammen, lachen, tauschen eilig die Kerzen aus, wenn sie heruntergebrannt sind und gehen irgendwann müde und zufrieden ins Bett.

Es ist Weihnachten.

Am nächsten Tag bringen sie die Mädchen, die zu ihrem Vater fliegen, zum Flughafen. Danach bummeln sie ein wenig durch die weihnachtlich erleuchtete Stadt. Viele Menschen sind unterwegs, hetzen, rennen, bepackt mit Tüten und Taschen. Sie hasten in die Geschäfte, kommen wieder raus. Das Gebläse am Eingang der Kaufhäuser pustet warme Luft, diffuse Weihnachtsmusik ist zu hören. In den Geschäften herrscht fiebrige Emsigkeit. Draußen ist es kalt, drinnen viel zu warm mit den dicken Winterjacken, Stiefeln, Schals und Mützen. An den Kassen stehen Schlangen von Menschen, die die letzten Geschenke einkaufen. Auf dem Weihnachtsmarkt suchen Ideenlose nach Anregungen oder Eingebungen, trinken Glühwein. Es riecht nach Bratwurst und gebrannten Mandeln. Überwiegend wohlgesinnte Grüppchen sammeln in den Fußgängerzonen Spenden für Bedürftige und hoffen auf das schlechte Gewissen der kaufenden Passanten. Der Weihnachtsbaumverkäufer preist seine letzten, eher mickrigen oder windschiefen Exemplare zum halben Preis an. Die Geschäfte laufen, Stress ist zu spüren, Hektik. Von Besinnlichkeit keine Spur.

Wie alle zwei Jahre bummeln sie gemütlich durch die Menge, stöbern in ihrem Lieblingsbuchladen, trinken einen teuren Glühwein und beobachten das hektische Treiben am 24. Dezember. Und alle zwei Jahre wieder liegt ein sehr ruhiger Abend vor ihnen.

Es ist Weihnachten.

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