Ein braunes Tablett aus Kunststoff, darauf eine kleine weiße Teekanne, ein Frühstücksteller, eine Tasse mit Untertasse und Teelöffel, ein Messer. Das Tablett stand jeden Abend vorbereitet in der alten Gutsküche auf der Anrichte.

Morgens, bevor das Haus erwachte, machte sie sich mit dem Tauchsieder Wasser heiß, goss es auf Teebeutel, deren Schildchen am Faden aus der Kanne heraushingen. Sie gab eine Zitronenscheibe in die Teetasse, bestrich eine oder zwei Scheiben Roggenfeinbrot – das mit der glänzenden Brotrinde – mit Butter und Konfitüre. Außer ihr war noch keiner aufgestanden. Dann nahm sie das Tablett, ging die breite, mit rotem, dickem Teppich belegte Treppe hoch. Sie setzte sich auf eine der obersten Stufen, genau vor das Schlafzimmer ihrer Mutter, um zu frühstücken. Alleine. Die Mutter schlief noch. Sie ist das jüngste von fünf Mädchen und die letzte, die noch Zuhause wohnte. Sie ging ja auch noch zur Schule.

Ihre Mutter war nicht die warmherzigste zu ihnen. Eher die Grande Dame, die zwar fünf Töchtern das Leben geschenkt hatte, sie aber nie besonders bemutterte. Irgendwie wurden ihre großen Schwestern durch die vielen Menschen, die immer im Haus waren, betreut. Durch Kindermädchen, Tanten und andere Verwandte, Dienstmägde und Kriegsflüchtlinge, die bei ihnen Zuflucht und Nahrung gefunden hatten in harten Zeiten.

Sie ist das Nesthäkchen aus der Nachkriegszeit. Und war alleine, denn die vielen Menschen gingen nach dem Krieg wieder weg und das Hauspersonal wurde verringert.

Ihre Nichte, die auch ihre kleine Schwester hätte sein können, stand, wenn sie bei den Großeltern zu Besuch war, auch auf und setzte sich im Schlafanzug und mit kalten Füßchen neben ihre Tante, zu der sie bewundernd aufschaute. Manchmal biss sie von ihrem Frühstücksbrot ab und trank einen Schluck heißen Tee. Dann musste sich die Tante beeilen, denn der Schulbus kam ins Dorf, um die wenigen Schüler einzusammeln.

Das kleine Mädchen spürte die große Einsamkeit, die ihre Tante in diesem großen Haus umgab.